Nachdem während der Fahrt, in diversen Foren und am Sonntag in der Arena über den den Sonderzug diskutiert wurde, möchte wir an dieser Stelle noch mal Stellung nehmen. Folgenden Text hat Thomas, Fanbeauftragter, verfasst:

Mit ein paar Tagen Abstand möchte ich mich jetzt auch noch mal zum Thema Sonderzug äußern. Es gab einige positive Dinge, die unbedingt erwähnt werden müssen, aber auch ein paar negative die man durchaus mal ansprechen kann und auch sollte.

Wie so oft erreicht einen hinterher eher negative Kritik. Aber teilweise kann man darüber nur den Kopf schütteln. Es gab Leute, die schon auf dem Bahnsteig von schlechter Organisation geredet haben, weil der Zug zu spät in den Mannheimer Hauptbahnhof eingefahren ist und man zwischendurch das Gleis wechseln musste. Der Castor-Transport hat leider zu Streckensperrungen geführt und davon war auch unser Zuganbieter betroffen, der seine Wagen in Stuttgart beheimatet. Interessant war in jedem Fall die Tatsache, dass wir mit fast einer Stunde Verspätung aus Mannheim raus sind und trotzdem nur zehn Minuten nach geplanter Ankunft in Straubing ankamen.

Der Einstieg ging trotz der Kartenkontrolle zügig über die Bühne. Leider haben wir unzählige Leute durch den Zug laufen sehen und auch hier wurde uns wieder schlechte Organisation vorgeworfen. Nur kurz zur Erklärung: Wir hatten im Zug 70 Plätze mehr als Mitfahrer. Rechnen wir noch die Fans dazu, die direkt mit ihren Sachen in den Partywagen sind, dann waren locker über 100 Plätze mehr da als benötigt. Der Puffer war also größer als bei allen anderen Zügen zuvor. Das Problem sind dann aber die Leute, die sich zu Zweit in ein 6er-Abteil setzen oder andere die alles für ihre Leute freihalten und nach einer Weile merken, dass ihre Freund ganz woanders im Zug sind. So geschehen beim Zug nach München, als nach einer halben Stunde Fahrt auf einmal überall leere Abteile zu sehen waren, weil die Leute es dann doch noch geschafft haben sich im Zug zusammen zu finden.

Wir können beim nächsten Mal natürlich auch 300 Plätze frei lassen, aber dann sind wir locker bei 80 bis 100€ für die Fahrt. Wir haben auch dieses Mal sehr eng kalkuliert, weil wir wissen, dass der Preis für viele wichtig ist. Deswegen fahren wir auch mit einem privaten Anbieter der das Streckennetz der Bahn benutzt. Wir haben schon öfter die Deutsche Bahn direkt wegen Sonderzügen inkl. Adler-Lok kontaktiert, aber diesen Mehrpreis wollen wir nicht zahlen. Das steht in keinem Verhältnis.

Eins noch zum Thema „Reservieren“. Viele haben uns gefragt, ob man nicht Abteile im Vorfeld reservieren könnte. Wenn sich alle in 6er Gruppen anmelden würden dann wäre das durchaus überlegenswert. Seid ihr aber sieben, dann würde einer im nächsten Abteil sitzen. Das wäre wahrscheinlich auch nicht im Sinne der meisten Fans. Hinzu kommt dieses Mal eine ungewöhnliche hohe Tauscherei und kurzfristige Verkäufe über Foren und diverse Communitys. Wenn wir da noch jeden persönlichen Wunsch realisiert hätten, dann wären wir zwei volle Tage nur mit dieser Sache beschäftigt gewesen. Ich bin ja schon froh, dass wir dieses Mal nur Schals hatten und keine T-Shirts. Da wäre im Zug wahrscheinlich noch mal die größte T-Shirt-Tauschaktion Deutschlands auf uns zugekommen. Vielleicht sollte man an dieser Stelle noch mal erwähnen, dass das ganze Sonderzugteam nur nebenbei diesen Zug organisiert. Wir haben alle noch einen richtigen Job.

Die Stimmung im Zug würde ich auf dem Hin- und Rückweg als sehr entspannt bezeichnen. Die Partywagen waren voll, es wurde getanzt und gefeiert. Auseinandersetzungen untereinander gab es laut Ordnungsdienst so gut wie keine. Zwei, drei Mal scheinbar ein bisschen verbale Provokation, aber laut meinen Infos nichts Ernsthaftes. Immerhin bedeuten ja für Einige Auswärtsfahrten auch immer den hemmungslosen Konsum von alkoholischen Getränken. Ist zwar nicht meins, aber das sollte jeder selber entscheiden. Blöd wird es nur, wenn andere die Leidtragenden werden.

Ich habe zwar in Würzburg auch aus dem Fenster gesehen, aber ich hab es jetzt mehrmals gehört und gelesen, dass Passanten auf dem dortigen Bahnsteig mit Sachen aus unserem Zug beworfen wurden. Sowas geht gar nicht. Genauso verhält es sich mit Fahrgästen anderer Züge, die bei unserer Abfahrt in Straubing, grundlos vollgepöbelt wurden. Das waren zwar nur Einzelne, aber es fällt auf uns alle zurück und das haben wir definitiv nicht nötig.

Die Polizei in Straubing attestierte mir einen einwandfreien Verlauf unseres kleinen Marsches durch die Innenstadt. Eine kaputte Scheibe und ein abgebrochener Spiegel sind das negativste was es da drüber zu berichten gibt. An dieser Stelle muss ich auch noch mal auf die Scheibe zurückkommen, denn das war keine mutwillige Sachbeschädigung. Ein guter Freund hat den Vorfall beobachtet. Es ging wohl um eine kleine Scheibe eines Schaufensters, die in einer großen Scheibe eingelassen war. Der Adler-Fan klopfte im vorbeigehen mehrmals an die Scheibe um den Leuten im inneren zu winken. Dann kam er zu diesem kleinen Stück und diese ist dann dabei kaputtgegangen. So wie mir das bestätigt wurde, hat man den Vorfall aber noch vor Ort klären können, denn man ist sofort in das Geschäft rein und hat sich mit den Besitzern ausgetauscht. Bliebe also noch der angebliche Seitenspiegel. Wie es diesem Patienten geht und ob er tatsächlich Opfer eines Adler-Fans war, bleibt wohl sein Geheimnis.

Die Sache mit den blau-weiß-roten Ponchos hat in jedem Fall sensationell gewirkt, auch wenn ich das selber im Block stehend noch etwas bezweifelt habe. Fotos gibt’s hier auf unserer Seite.
Die Stimmung war auch ok, auch wenn wir es natürlich bei so einem Stadion und diesem Spielverlauf eher schwer haben uns so richtig frei zu entfalten wie das beispielsweise in München der Fall war. Da hatte uns die hohe Führung und die räumliche Distanz zu den Heim-Fans geholfen.

Im Gästeblock standen einige Leute, die ständig den Mittelfinger oben hatten. Man ist das anstrengend. Da wurden die gegnerischen Fans, das Maskottchen, die Spieler andauernd mit dieser Geste bedacht. Da sind mir doch ein paar kreative Lieder ganz klar lieber als das einfallslose heben dieses Fingers.

Nach dem Spiel muss es vor dem Stadion noch eine Auseinandersetzung gegeben haben, die ich aber nicht mitbekommen habe. Zudem gab es noch einen Fan, der sich in einem Bach leicht unterkühlt hatte. Dieser wurde im Zug von den Helfern des Roten Kreuzes versorgt. Leider gibt es aber auch hier was Negatives zu berichten, denn ein Rot Kreuzler hat sich dann im Partywagen per Mikro versucht bemerkbar zu machen und wollte wissen, ob jemand den Mann aus dem Bach kennt. Daraufhin wurde er mehr als schräg angemacht. Das ist ein absolutes No-Go. Jeder wäre froh, wenn er bei einem Unfall oder Probleme einen Sanitäter in der Nähe hätte. Lasst die Leute doch einfach ihren Job machen.

Nichtsdestotrotz möchte ich mich am Ende meines Romans bei den freiwilligen Helfern von Lieblang und dem Roten Kreuz bedanken. Ebenso bei den Barteams, den Mädels vom Infostand für die wochenlange Arbeit, den Schaldesignern, den DJs und den vielen fleißigen Helfern die beim be- und entladen des Zuges ihren Urlaub bzw. ihre Freizeit geopfert haben. Ebenso gilt natürlich auch ein Dank an die vielen Fans, die den Zug trotzdem zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. In 60 Minuten mehr oder minder ausverkauft spricht für Euch und zeigt wie kaputt ihr eigentlich seid! Es ist toll, wenn man sieht wie wir bei den Zügen als Einheit auftreten. Ich wünschte mir sowas auch mal zu Hause. Alle an einem Strang, kreative Lieder und kein Gegeneinander.

Zum Schluss bleibt noch die Erkenntnis, dass man wohl wirklich ein Jahr Pause mit den Sonderzügen machen sollte. Zum einen hatten wir jetzt schon fast alle Stadien und die die wir nicht hatten sind entweder nicht wirklich geeignet oder haben eine Fahrtzeit, die den meisten schon wieder zu viel ist.

Danke fürs lesen.
Euer Thomas